Warum sich Unternehmen für den (unerfüllten) Kinderwunsch ihrer MitarbeiterInnen interessieren sollten

Der Kinderwunsch eines Mitarbeiters und insbesondere einer Mitarbeiterin ist in Unternehmen ein sensibles Thema. In diesem Blog Post erklären wir, warum sich Unternehmen für den (unerfüllten) Kinderwunsch ihrer MitarbetierInnen interessieren sollten.
Junge, schwangere Frau bei der Arbeit

Über den Kinderwunsch wird nicht gesprochen

Insbesondere Frauen sprechen bei der Arbeit häufig nicht offen über ihren eigenen Kinderwunsch, aus Angst vor negativen Konsequenzen. Sie fürchten, dass sie aufs Abstellgleis gestellt werden, bei einer Beförderung übergangen werden oder im schlimmsten Fall den Job verlieren noch bevor sie schwanger sind.

Arbeitgeber – genauer Führungskräfte und Personaler – sprechen das Thema „Kinderwunsch“ ebenfalls nicht an. Sie wissen meist nicht, wie sie mit diesem für ihre MitarbeiterInnen sensiblen und persönlichen Thema umgehen sollen. Zudem haben viele Angst, etwas falsch zu machen und die rechtlichen Grenzen dessen, was sie ansprechen dürfen, zu überschreiten.

Sollte es dann mit der Erfüllung des eigenen Kinderwunsches über eine längere Zeit nicht klappen und eine Kinderwunschbehandlung anstehen, trauen sich Frauen erst recht nicht, darüber zu sprechen. Dabei bräuchten sie gerade in dieser Zeit Unterstützung von ihrem Arbeitgeber.

Kinderwunschbehandlungen sind belastend für MitarbeiterInnen

Ein unerfüllter Kinderwunsch und eine Kinderwunschbehandlung sind belastend. Zusätzlich zur enormen emotionalen Belastung kommt insbesondere für Frauen die physische und zeitliche Belastung einer Behandlung. Hormonstimulationen, ständige Besuche beim Arzt und bei der Kinderwunschklinik für Scans und Untersuchungen, ggf. Operationen im Rahmen der Diagnostik, eine Operation zur Eizellenpunktion und dann der Embryotransfer. 

Die meisten Frauen und Paare versuchen all dies irgendwie zu managen, ohne offen darüber zu reden. Sie arbeiten um Termine herum, sie lassen sich krankschreiben oder erfinden Ausreden.

Führungskräfte und Personaler wissen oft nicht wie sie helfen können

Sensible Führungskräfte und Personaler merken meist, dass etwas nicht stimmt; vielleicht vermuten sie sogar, dass sich die Mitarbeiterin gerade in einer Kinderwunschbehandlung befindet. Die Wenigsten wissen aber, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen und dürfen.

Als unsere Gründerin, Julia Reichert, im Vorfeld der Gründung von Onuava mit einer ganzen Reihe an Personalleitern sprach, wurde ihr gesagt „Ich darf meine Mitarbeiter noch nicht einmal fragen, ob sie überhaupt einen Kinderwunsch haben. Wie soll ich denn mit ihnen darüber sprechen, ob es mit dem Schwangerwerden klappt oder nicht und ob sie gerade eine Kinderwunschbehandlung machen.“

Was können Führungskräfte und Personaler tun

Hier drei Tipps wie Führungskräfte und Personaler ihre MitarbeiterInnen mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützen können:

  1. Kultur der Offenheit schaffen und mit gutem Beispiel voraus gehen: Je offener und selbstverständlicher generell in einem Unternehmen oder einer Abteilung über sensible Dinge gesprochen wird, desto einfacher fällt es den Betroffenen über ihren unerfüllten Kinderwunsch und damit verbundene Belange zu sprechen. Dies gilt natürlich nur, wenn Offenheit von Mitarbeitern dann auch auf Verständnis und Unterstützung trifft.
  2. Verständnis und Unterstützung zeigen: Wenn ein/e MitarbeiterIn offen über den eigenen unerfüllten Kinderwunsch spricht, so sollten Führungskräfte Verständnis zeigen und Unterstützung anbieten. Aussagen wie „Das wird schon klappen.“ mögen gut gemeint sein, sind aber für Betroffene wenig hilfreich und fühlen sich eher ablehnend an. Besser sind Aussagen wie: „Es tut mir leid, dass es so ein schwerer Weg für Sie ist. Lassen Sie mich wissen, wenn ich persönlich etwas tun kann oder wir als Unternehmen Sie irgendwie unterstützen können.“
  3. Eine „Fertility Policy“ einführen: Viele amerikanische und britische Unternehmen haben bereits eine so genannte „Fertility Policy“, also Richtlinien, Regeln und festgeschriebene Zusagen dahingehend wie Mitarbeiter, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befinden oder die eine Fehlgeburt erleiden, unterstützt werden sollen. Dies kann beispielsweise das Recht sein, während der Arbeitszeit Termine in einer Kinderwunschklinik wahrzunehmen oder das Recht, temporär und flexibel die Arbeitszeit zu reduzieren. Mit einer „Fertility Policy“ normalisieren Unternehmen das Thema (unerfüllter) Kinderwunsch. Viele Unternehmen in den USA und in Großbritannien unterstützen ihre Mitarbeiter darüber hinaus durch so genannter „Fertility Benefits“.

Warum ist das Thema relevant für Unternehmen?

Warum ist das Thema für Unternehmen relevant? Es gibt doch schon so viele andere Themen um die sich Unternehmen, Führungskräfte und Personaler kümmern müssen. Ganz einfach: Ein unerfüllter Kinderwunsch ist keine Seltenheit. Bei jeder und jedem Siebten klappt es nicht so einfach mit dem Wunschkind, viele davon brauchen medizinische Hilfe. Dies betrifft natürlich damit auch im Durchschnitt jede/n siebte/n MitarbeiterIn.

Unterstützen Unternehmen ihre MitarbeiterInnen in schwierigen Lebenslagen, so wirkt sich das positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit und die Loyalität von Mitarbeitern aus. In den Zeiten von Fachkräftemangel und Mitarbeiterknappheit ist Mitarbeiterbindung wichtig wie selten zuvor. Sich als Unternehmen für den (unerfüllten) Kinderwunsch seiner Mitarbeiter zu interessieren und MitarbeiterInnen in dieser Zeit zu unterstützen, ist also nicht nur „das Richtige“, sondern liegt auch im eigenen Unternehmensinteresse.

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